Rechenpower aus der Wolke
Teure Computer, die nur acht Stunden in Betrieb sind und die ganze Nacht ungenutzt in der Ecke stehen: Das ist die Gegenwart. In Zukunft reicht ein einfacher Computer mit schneller Internetverbindung. Gerechnet wird in Serverparks jenseits des Büros. Doch es gibt Zweifel an der Sicherheit.
Amazon gilt als einer der Pioniere für das sogenannte Cloud Computing. Zu den Kunden des Logistik-Konzerns gehören unter anderem die Technologiebörse Nasdaq, die Pharmafirmen Lilly und Pfizer, Siemens und Xerox.
Doch nicht nur für Großkonzerne sind die riesigen Serverparks eine Alternative zu einer teuren eigenen IT-Abteilung. Softshell-Vorstand Gerald Hahn sieht darin vor allem für kleine Unternehmen ein großes Potenzial zum Kostensparen. Bei dem Infoportal IT-Business sagte er: «Public Clouds bieten dem Mittelstand und kleineren Unternehmen die technologischen Möglichkeiten von Großkonzernen mit riesigen finanziellen Budgets und können diesen damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen – ohne Investitionen und hohe Fixkosten für Hard- und Software, ohne eigene hausinterne IT-Abteilung.»
Dass Cloud Computing bei Amazon mittlerweile zu einem bedeutenden Geschäftszweig heranwächst, belegen neueste Schätzungen der Investmentbank UBS. Demnach wird Amazon mit der Datenspeicherung und der Lieferung von Rechenleistung per Internet in diesem Jahr etwa 500 Millionen Dollar umsetzen. Im Vergleich zu Amazons Gesamtumsatz von zuletzt 24,5 Milliarden Dollar ist das zwar noch gering, doch die UBS-Analysten veranschlagen für die kommenden Jahre Wachstumsraten von 50 Prozent.
Auch Google bietet Rechenpower aus der Wolke
Konkurrenten wie Google, IBM, Microsoft und Rackspace haben ebenfalls große Rechenzentren für Cloud-Dienste aufgebaut. Google bietet zusätzlich fertige Büro-Anwendungen für den täglichen Bedarf.«Mehr als zwei Millionen Unternehmen und 25 Millionen Internetnutzer in über 100 Ländern und in mehr als 40 Sprachen setzen bereits Google Apps an Ihrem Arbeitsplatz ein», sagt Pressesprecher Stefan Keuchel und verweist auf Unternehmen wie die Schweizer Mediengruppe Ringier AG, die niederländische Fluggesellschaft KLM sowie die Stadt Los Angeles, die alle Google Apps einsetzten.
Wieviel Geld Google mit seinen Apps an kommerziellen Nutzern verdient, wollte das Unternehmen nicht verraten. Auf Anfrage heißt es lediglich, dass die Google Apps Premier Edition für Unternehmen pro Nutzerkonto 40 Euro pro Jahr kostet. Dafür würden den Kunden IT-Anwendungen wie E-Mail, Kalender, Video sowie Collaboration-Tools wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulations- oder Präsentationssoftware geboten. Zudem stünden 25 Gigabyte an Speicherplatz, Support, zusätzliche Backend-Funktionalität sowie Integrationsdienste zur Verfügung.
Was die Konkurrenz bietet
Microsoft könnte eigentlich dagegenhalten und sein Office-Paket ebenso als Online-Version anbieten. Doch entsprechende Pläne gebe es derzeit nicht, bestätigt Pressesprecher Frank Mihm-Gebauer. Einerseits würden Geschäftsreisende auch an solchen Orten arbeiten wollen, an denen es kein Internet oder nur eine geringe Bandbreite gebe. Zum anderen sehe er das Thema Sicherheit als Problem bei Online-Angeboten, so Mihm-Gebauer.
Microsoft bietet stattdessen in anderen Bereichen Online-Dienste. Für Entwickler gibt es die Azure-Plattform, auf die Software hochgeladen werden kann, um diese in Microsoft-Rechenzentren zu betreiben - ohne Administrationsaufwand.
Zudem hat Microsoft unter der Bezeichnung Microsoft Online Services Firmenanwendungen für Unternehmen eingeführt, die Kunden auf Mietbasis zur Verfügung stehen. Nach Angaben von Frank Mihm-Gebauer gibt es dafür 40 Millionen Accounts mit zahlenden Kunden - darunter beispielsweise Coca Cola und GlaxoSmithKline.
Das Angebot beinhaltet unter anderem das Programm Office SharePoint Online. Damit haben Mitarbeiter eines Unternehmens die Möglichkeit, sich mit Teammitgliedern weltweit auszutauschen, Ressourcen einzusehen, Informationen zu suchen und zu bearbeiten. Ein anderes Angebot ist Microsoft Office Live Meeting. Es ermöglicht Mitarbeitern und Kunden, Besprechungen, Trainings und Veranstaltungen in Echtzeit abhalten können.
Die Frage der Sicherheit
Viele Unternehmen stehen dem Thema Cloud Computing noch skeptisch gegenüber. Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Daten auf fernen Rechenanlagen und um die Zugriffsmöglichkeiten im Falle eines Stromausfalls oder Systemabsturzes. Die Bedenken sind nachvollziehbar, so haben Hacker bereits die Amazon Sicherheitssysteme überlistet und für Spam-Attacken genutzt.
Wie sicher Cloud Angebote heutzutage sind, hat das Fraunhofer-Institut in einer umfassenden Studie vor einem Jahr getestet. Ihr Fazit: «Fast jeder große Anbieter von Cloud-Services hatte in der Vergangenheit einen größeren Vorfall im Bereich Verfügbarkeit oder Sicherheit», berichtet Dr. Werner Streitberger, einer der Autoren der Studie.
Die Wissenschaftler sehen aber auch Chancen, die Sicherheit durch Auslagerung von Daten zu erhöhen. Bei der Untersuchung habe sich gezeigt, dass trotz Risiken kleine und mittlere Unternehmen ihre Sicherheit durch den Einsatz von Cloud-Services erhöhten. «Sie können Sicherheitslösungen als Service von spezialisierten Anbietern beziehen und so von deren Erfahrung beim Implementieren und Betreiben von sicheren Services profitieren», erläutert Streitberger.